Kurz vor WWE Survivor Series: Becky Lynch verletzt, Daniel Bryan Überraschungschampion

Wie es aussieht, geht es kurz vor dem traditionellen Herbst PPV von WWE drunter und drüber. ich bin ehrlich, ich finde das Konzept der Survivor Series albern. Zwei Roster, die in sich selbst schon genug Eigendynamik, Storylines, Fehden und Gimmicks entwickeln, sollen für einen Tag als konforme Einheit funktionieren und gegen den anderen Roster oder Brand antreten. Wie glaubhaft soll das sein? Es gibt ja nicht einmal etwas zu gewinnen. Abgesehen von der goldenen Ananas.

Becky Lynch bei der RAW Invasion von Nia Jax schwer verletzt

Und ganz besonders unglaubwürdig ist die alljährliche Invasion des SmackDown Kaders bei RAW und die anschließende Retourkutsche von RAW bei der blauen Show. Jedes Jahr dieselbe Leier und jedes Jahr tut jeder maximal überrascht, dass dies passiert.

Zugegeben, Becky Lynch dabei zuzusehen, wie sie Ronda Rousey in ihrem Dis-Arm-Her quält war schon eine Freude. Ich komme mit Rousey nicht klar. Ihr grimmiger Gesichtsausdruck erinnert mit an ein Kind, das seine Süßigkeiten nicht erhält.
Den folgenden Brawl der SmackDown Damen mit den RAW Damen hatte man erwartet, aber der Ausgang bzw. die Konsequenzen dieser völlig sinnlosen Veranstaltung können einen Wrestling Fan nicht erfreuen:

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https://www.youtube.com/watch?v=HuAya4pbu-I

Nia Jax gongt „The Man“ Becky Lynch dermaßen Eine, das bei der Irin die Nase bricht und sich eine schwere Gehirnerschütterung zuzieht. Mit blutverschmiertem Gesicht bringt Becks (unter lautem Jubel und Becky-Rufen) den Angle zu Ende und zieht einer herbeigeeilten Rousey noch ein paar Mal einen Klappstuhl über. Dabei sorgt sie für eine totale Rollenumkehr, denn bejubelt wird die Heel-Championess aus dem blauen Brand und nicht der zusammengefaltete Damen-Roster der roten Show.

Am Dienstag bei SmackDown stellt sich heraus, dass Becky Lynch keine Freigabe der WWE Ärzte für den Survivor PPV am Wochenende erhalten wird, wo sie eigentlich auf RAW Championess Rondy Rousey treffen sollte. Schlimmer noch, sie musste ihren vakant gewordenen Platz an ihre Erzfeinding Charlotte Flair abtreten. Und jetzt kommt es ganz dicke: Bei der Übergabe umarmte sie mehr als innig ihre ehemals beste Freundin und nun Hassobjekt Charlotte Flair, mit der sie laut Storyline spinnefeind ist. Passt das zum mühsam aber erfolgreich aufgebauten Heel-Charakter?

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https://www.youtube.com/watch?v=m6BRM3Enzvw

Hier wiederholt sich die Superstar Billy Graham Story vom Verlegenheits-Heel-Champ, der mehr over ist als er sein sollte. Nur um dann urplötzlich mitten im Run abgesägt zu werden, weil es Langzeitpläne so wollten.

Nia Jaxa empfängt Backstage Heat

Jaja, ich lese und höre es überall. Keine Absicht, passiert halt, das ist eben das Risiko … yada yada yada.
Mag so sein oder nicht. Ist Wurscht. Mich überrascht nur nicht, dass es Nia Jax war. Im Ring immer unter ihren Möglichkeiten und wie viele ihrer Kolleginnen nicht bei der Sache, wenn es drauf ankommt. WWE trägt hier eine Teilschuld, zugegeben – aber wenn ich an Jax Stelle stehe und kurz vor einem der bedeutendsten PPVs des Jahres das Poster-Girl vor den Händen habe. selle ich was das Zeug hält oder überlasse diesen delikaten Part einer erfahreneren Wrestlerin. Aber davon hat WWE nicht mehr so viele. ich würde aber niemals meine geschlossene Hand, allgemeinhin Faust genannt, in das Gesicht meiner Kontrahentin werfen. Niemals. Das ist nicht Boxen und Du bist nicht Mike Tyson. Das ist Professional Wrestling oder sollte es zumindest sein. Ganz egal, ob ihr das als Sports Entertainment umlackiert.
Nun bläst der Cousine von The Rock ein eiskalter Wind ins Gesicht. Durch ihre saudumme Aktion fällt die Cash-Cow der derzeitigen Womens Division aus und muss der Main Event eines PPV umgestellt werden. Weshalb man dort nicht wenigstens noch das Positive aus dem angerichteten Schaden gezogen hat, ist mir ein völliges Rätsel. Man muss nur hören, welcher Jubel aufkommt, als Lynch bei ihrer Wahl der Ersatzkandidatin zu Asuka kommt! Für die Japanerin wäre diese Nominierung nach ihrer bisherigen, verbookten WWE Karriere ein Segen gewesen. Nun haben wir Charlotte Flair.
Und WWE verkauft es uns jetzt durch die Hintertür als nuclear heat für Nia Jax. Da kann ich nur sagen, vom Regen in die Traufe und auch noch stolz darauf. Liebe Nia Jax, liebes WWE – die Hälfte des Frauen-Kaders wird derzeit von dem Geld bezahlt, was ihr dank Becky Lynchs Mega-Run einnehmt, nicht weil die Leute eine grimmige Nia Jax sehen wollen.

Danke für nichts, Nia Jax.

Absurd: Daniel Bryans Heelturn und Titelgewinn gegen AJ Styles

Wie auch immer das zustande gekommen ist, es ist absurd. In jeder Hinsicht.

Daniel Bryan, the Yes man, nimmt AJ Styles aus dem Nichts ein paar Tage vor dem Survivor Series PPV die SmackDown Championship ab. Durch einen Tiefschlag! Das heisst also auch noch Heelturn eines der Mega Babyfaces der letzten Jahre. Hat sie WWE nicht mehr alle?

Natürlich war Bryans Performance nach seiner Rückkehr als aktiver Wrestler im Grunde enttäuschend. Es ist verständlich, dass Daniel Bryan nicht gleich im ersten Match einen Klassiker abliefert. Ringrost ist eben Ringrost. Davor ist auch ein Ausnahmekämpfer wie Bryan nicht gefeit, aber ein Fehdenprogramm gegen The Miz? Wirklich? Und dann noch mit so halbgaren Ergebnissen und im Mixed Tag Team? Sorry WWE, dass das Interesse am Anführer der Yes Bewegung nicht größer ist als es sein sollte, liegt eben auch daran, dass man ihn gegen Midcarder ins Programm schickt. Als ob ein Daniel Bryan noch irgendwas beweisen muss.

Nun dieser Heelturn und der Titelgewinn aus dem Nichts. Es ist mir egal, wer auf diese Idee gekommen ist und warum. Sie ist schwachsinnig. Auch wenn Bryans Entwicklung nach der Rückkehr in den Ring nicht mehr denselben Zauber verbreitet, wie noch vor 4 Jahren, ist er immer noch der beliebsteste Wrestler bei WWE. Niemand erhält Kader-übergreifend, ortsunabhängig solche Reaktionen. Niemand zieht so viele Leute zu einem Event.
Normalerweise dauert es Jahre, bis man so einen Glücksfall heranzüchtet und in dieser Ausprägung passiert es einmal im Jahrzehnt, dass ein derart genuitiver Publikumsliebling daherkommt … und WWE wirft es weg.

Und jetzt gibt es Dresche von Brock Lesnar

Da müht sich dieses kleine dicke Wiesel Paul Heyman noch am Montag das Aufeinandertreffen seines Mandanten und WWE Universal Champion Brock Lesnar mit dem SmackDown Heavyweight Champion AJ Styles zu verkaufen, nur um dann am Dienstag von den Ereignissen überrollt zu werden.
Jetzt als Daniel Bryan gegen Brock Lesnar. Das Match, was sich Bryan nach Selbstauskunft bereits vor 4 Jahren gewünscht hat. Bereits zum damaligen Zeitpunkt hat man Bauchschmerzen wegen dieser Konstellation gehabt. Nun, nach einer fast zum Karriereende mutierten Auszeit von mehreren Jahren und einem sehr fragilen Nacken, sind die Bauchschmerzen zu einer Magenkolik angewachsen. Lesnar kann nicht wirklich wresteln (oder will es nicht). Er wirft einfach Leute durch den Ring, die meistens unglücklich auf ihrem Nacken landen. Es sei denn, man lässt ihn gegen ebenbürtige Athleten antreten (siehe Braun Strowman, aber das ist noch eine ganz andere Geschichte).

Daniel Bryan wird von Lesnar zu Hühnerfutter verarbeitet und WWE kann von Glück sagen, wenn es danach nicht zum absolut unverrückbaren Karriereende von Bryan kommt. Die Match-Booker müssen sich auch was aus den Fingern saugen, um das Match zwischen diesen ungleichen Kontrahenten glaubhaft zu gestalten. Natürlich kann jetzt Daniel Bryan mit seiner neuen Heel-Attitude zu allerlei unfairen Tricks greifen, aber das macht das Match nicht ansehnlicher. Wie man jetzt auch den Fakt, dass hier Heel gegen Heel antritt, lösen will, wird auch interessant.

Heel Becky ist das Beste, was WWE derzeit passieren konnte

SmackDown ist Becky Lynch. Und Becky Lynch is best for business.

Anders kann man es nicht sagen. Zwar waren WWE’s Beweggründe die viel zu lange unten gehaltene Irin zum Heel und Titelträger zu machen eigentlich ganz andere – aber so wie es gerade läuft, finde ich es am besten.

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Nein, ich brauche keine DX Reunion in 2018

Geld stinkt nicht.

Das ist Vince McMahons Mantra, seitdem er WWE von seinem Vater übernommen hat. Also ist es auch nur folgerichtig, dass er aus den Stars von einst solange Dollarscheine herauspresst, wie die sich noch einigermaßen im Ring bewegen können. Dass deren große Zeit schon 20 Jahre zurückliegt, interessiert dabei kaum. Deshalb haben wir bei WWE Super ShowDown 2018 auch Undertaker vs. Triple H bekommen, sehen jetzt die Wiedervereinigung der Degeneration X bei RAW und werden nach einigen Tag Team Zwischenspielen auch noch einmal Shawn Michaels vs. Undertaker zu sehen bekommen.
In diesem Moment, als Undertaker, Triple H, Kane und Shawn Michaels zusammen im Ring standen, da hätte eine Geburtstagstorte aller zusammen über 200 Kerzen tragen müssen.
Eindeutig zuviele, wenn ihr mich fragt.

Das ist der Kontext, unter dem sich auch die plötzliche DX Reunion einordnen lässt. Die Stars von 1998 in einer Storyline 2018, die keinen interessiert (außer den zahlungswilligen Arabern), die dröge daherkommt und die mit dem aktuellen Geschehen soviel zu tun hat, wie eine Milchkuh mit der Raumfahrt. Are you ready? No!

Die Beteiligten sind aber selbst schuld.
Triple H hat sich die falschen Entscheidungen seines Mentors und Vorbild Ric Flairs als Orientierungshilfe genommen. Der Rückzug des Nature Boys vom aktiven Wrestling kam gut 10 Jahre zu spät und Triple H bewegt sich genau in diese Richtung.
Shawn Michaels Rücktritt kam genau richtig, der Ruhestand schien ihm zu bekommen und sein konsequente Nein zu den Forderungen nach einem letzten Kampf war anerkennenswert. Doch mit dieser Reputation ist es jetzt nicht mehr weit her.
Kane ist da nur noch deshalb beteiligt, weil es seine letzte Chance ist, noch einmal relevant zu sein, bevor die Aufnahme in die WWE Hall of Fame ansteht.
Undertaker ist mit die tragischste Figur in diesem Spiel. Er hätte als wahre Legende abtreten können. Mit 20 (!) Wrestlemania Siegen. Doch leider hat er sich überreden lassen, diese Serie für die Ewigkeit wegzuwerfen, um einen Part-Timer wie Brock Lesnar zu pushen, dem Wrestling nichts und Geld alles ist. Dann auf einmal sieht es nach einem Karriereende aus, weil ihn der unvermeidliche Roman Reigns besiegen darf und sich damit brüstet: I retired the Undertaker. Nur komisch, dass der nicht allzu lange danach wieder im Ring steht. Alles nur noch unglaubwürdig und bedauerlich. Ein „I quit Match“ und dann schön per Legendenvertrag von Autogrammstunde zu Autogrammstunde reisen – das wäre es doch gewesen?

Jedenfalls müssen wir jetzt bei RAW wieder die schalen Witze eines krampfhaft pubertären Stables ertragen. Inklusive Glow Sticks, T-Shirts und „Suck it“ Catchphrases. Wichtigen Akteuren werden wertvolle Minuten am Mikro und im Ring geklaut, weil es die alten Herren noch einmal wissen wollen.

Und das alles, weil ein paar Scheichs in Saudi Arabien 20 Jahre zu spät gekommen sind.

Becky Lynchs Heelturn

Ihr habt es alle mitbekommen. Beim Summerslam 2018 turnt WWE Becky Lynch Heel, nachdem sich Charlotte Flair nun zum 7. Mal (!) die Womens Championship sichern durfte.

Ich halte das Ganze für eine Schnapsidee, die wieder einmal offenlegt, wie wenig Fingerspitzengefühl WWE beim Booking allgemein an den Tag legt (es gibt sicher Ausnahmen) und wie sehr sie auf die „Fans“ scheissen. So sehr ich auch die Motivation für diesen Schachzug verstehe und einige positive Nebenwirkungen registriere, so sehr gönne ich ihnen den Mißerfolg dieser Storyline.

Fangen wir mal mit dem „Warum“ an.

Natürlich geht es nicht um poor little Becky Lynch, WWE hat selbstverständlich das Große Ganze im Blick. Und das lautet Charlotte Flair gegen Ronda Rousey bei Wrestlemania 2019. Wenn ich das richtig verstanden habe, soll die „Queen“ Charlotte Flair als Siegerin aus diesem Main Event gehen. Das kann sie natürlich nur als Babyface, was auch bedeutet, dass auch bei Rondy Rousey ein Heelturn ansteht.
Mit diesen Aussichten steht WWE nun vor dem Problem, für die Zeit bis dahin ein glaubwürdiges Beschäftigungsprogramm für Ric Flairs Tochter zu finden. Und da haben wir schon das erste Problem.

Mit glaubwürdigen Heels bei SmackDown sieht es mau aus!

Wir haben mit viel Glück Carmella als Verlegenheits-Champion überlebt. Die Ilconics sind in jeder Hinsicht Underperformer und Mandy Rose sowie Sonya Deville erhalten so gut wie keine Publikumsreaktion. Becky Lynch ist die Einzige im Roster, die sowohl vom Charisma als auch von den wrestlerischen Fähigkeiten das Zeug dazu hätte, eine glaubwürdige Gegnerin für Flair darzustellen. Dass es WWE nicht schafft, solide Charaktere (vor allem bei den Frauen) aufzubauen, ist nicht Becky Lynchs Schuld – aber sie muss es ausbaden.

Charlotte Flair als der weibliche Roman Reigns?!

7. Titelgewinn – meine Fresse. Hier drängen sich ja schon Vergleiche zu Roman Reigns auf. Früher hieß es immer, wenn Du Wrestler zur Auswahl hast und nicht weißt, wen Du zum Champion machen sollst: nimm den Schlechteren. Bei dem kann der Titel die Unzulänglichkeiten kompensieren. Und so wirkt es auch bei Charlotte Flair. Die Publikumsreaktionen speisen sich doch vor allem aus der Tatsache, dass sie Tochter einer Ikone ist, die sie zudem schamlos kopiert. Schon dass sie sich in letzter Sekunde in das Titelmatch zwischen Carmella und Becks reingedrängt und es damit zu einem Triple Threat Match gemacht hat, ist den Fans sauer aufgestoßen.

Sympathien des Publikums? Natürliche Begabungen? Spielt für WWE alles keine Rolle.

Mir steht jedes Mal sprichwörtlich der Mund offen, wenn ich erlebe, wie sich WWE (wahrscheinlich mit Wonne) über die Stimmungen und Sympathien des Publikums hinwegsetzt.
Charlotte Flair wird allenfalls respektiert für ihre Leistungen im Ring, nicht geliebt. Becky Lynch wird trotz des miesen Bookings, was WWE auf sie abfeuert, vom Publikum geliebt wie keine andere Wrestlerin. Sie ist der Daniel Bryan der Womens Division. Selbst wenn sie süße Katzenbabys foltern und einem Baby den Schnuller wegnehmen würde, das Publikum würde jubeln.
Man weiß nicht warum, bei einigen Wrestlern scheint ihre Rolle, ihr Gimmick genetisch festgelegt zu sein. Sie weisen einfach eine natürliche Begabung auf und das Publikum spürt das. Als Booker bzw. Promoter muss man nur solche Stimmungsbilder erkennen und danach handeln, dann drängen einem die Fans das Geld förmlich auf.
Ich sage ja nicht, dass Charlotte als Babyface nicht funktioniert und Lynch keinen passablen Heel abgeben kann, aber die Begabungen liegen hier doch eindeutig anders verteilt. WWE ist das mal wieder völlig schnurz. Dass Becky Lynch noch beim Summerslam bejubelt wurde und gleich darauf in einer Promo die fehlende Unterstützung der Fans anprangern muss – die Kreativabteilung von WWE hält ihre Konsumenten für genau so dumm.

Springt denn dabei auch was Positives heraus?

Oh ja, ich würde sagen schon. Nur anders, als es sich WWE gedacht hat. Jahrelang wollten die Becky-Fans sie auch mal als Heel sehen und nicht nur als den lustigen Sidekick an der Seite von Charlotte Flair. Nun haben wir unseren Wunsch erfüllt bekommen, auch wenn es anders gedacht war. Redet jetzt noch jemand von Roman Reigns und dem Abgang von Brock Lesnar? Nein. Becky erhält nun einfach einmal die Aufmerksamkeit, die wirkliche Aufmerksamkeit, die ihr zusteht. Und die Heel-Rolle steht ihr gut. Ihr Charakter wird dadurch erst richtig interessant.

Wenn die Storyline gelingt, wird am Ende nur eine davon profitieren: Charlotte Flair. Sie wird den Verrat ihrer ehemals dicken Freundin überlebt haben und gestärkt in das Wrestlemania Match gehen.
Bei Becky Lynch wird man den Scherbenhaufen einer einstmals festen Babyface Bank zusammenkehren und sich fragen, ob dieser Verlust für den kurzfristigen Erfolg einer anderen Wrestlerin lohnend war.

Wie wird WWE diese Storyline noch über die Bühne bringen?

Es gibt hier mehrere Möglichkeiten und sie alle hängen davon ab, wie sehr sich WWE von der Mißstimmung bei den Fans beeindrucken lässt. Wenn man diesen Roman-Reigns-Krampf als Vergleich heranzieht, dann lässt das nur den Schluß zu, dass die Storyline auf Biegen und Brechen durchgezogen wird und wenn es 20% der Zuschauer kosten wird.
Wenn Madame Flair ihre Felle davonschwimmen sieht und protestiert, werden sie sich etwas einfallen lassen. Entweder (nach Vince Methode) noch weiter aufs Gaspedal drücken und den Abgrund mit 220 km/h nehmen oder die Storyline kurzerhand abbrechen. Ganz ehrlich, ich sehe keinen Mittelweg, das zu korrigieren. Es sei denn, man zieht für Flair ebenso einen Heelturn in Betracht, was aber wegen der Wrestlemania Geschichte eher unwahrscheinlich ist. Sturrköpfig, wie man Stamford seit jeher ist – kann Becks schon mal das Skalpieren von süßen Katzenbabies trainieren oder sich auf ein Duett mit Elias vorbereiten. Hauptsache, auf Krampf Heat generieren.

Wie gesagt, der Heelturn und die Fehde der ehemals besten Freundinnen war eine absehbare Storyline – die grandios scheitern musste. Daran ist WWE aber selbst schuld, weil sie das Potential ihres Kaders nicht einschätzen können (wollen?) und es offensichtlich eine ungeschriebene Regel gibt, den Fans nicht zu geben, was sie wollen.

Shinsuke Nakamura – der Low Blower

Über Shinsuke Nakamuras Rolle bei WWE habe ich vor Urzeiten schon was geschrieben und wie es aussieht, habe ich Recht behalten.

Nach dem Heelturn gegen AJ Styles wird Nakamura definitiv keine Feuerwerke mehr abbrennen sondern sich über einfachste Heel-Arbeit von Auftritt zu Auftritt hangeln.
Am Ende steht halt immer ein Low Blow gegen Styles.

Ein Low Blow!

Von Nakamura!

Ja sag mal WWE, gab es da keine bessere Idee für den charismatischen und talentierten Japaner? Das ist voll öde. Nicht mal das Publikum kauft das ab. Der Mann kann doch so viel mehr. Aber es ist eben nur SmackDown und WWE. Aus deren Sicht fressen die Fans die Scheisse, die man ihnen gibt.

Die lebende Legende – Bruno Sammartino – mit 82 Jahren gestorben

Ich habe noch nichts über den Tod von Bruno Sammartino geschrieben, das ist wahr.

Soviel werde ich auch nicht dazu schreiben, das haben andere schon zur Genüge getan.

Nur soviel: wer kann von sich schon behaupten, bereits zu Lebzeiten eine Legende gewesen zu sein?

Insgesamt hielt Bruno die Schwergewichtsmeisterschaft für 11 Jahre, davon etwas über 7 Jahre am Stück! Wenn man bedenkt, dass diese Titelregentschaften vorher abgesprochen werden, ist diese Leistung umso bemerkenswerter, da es bedeutet, dass der Inhaber über einen so langen Zeitraum die Gunst des Publikums besaß und die Hallen füllte (ich weiß gar nicht, wie oft der Madison Square Garden von Bruno Sammartino ausverkauft wurde).

Sein Stil war jetzt nicht herausragend und schillernd, er wird auch nicht als Innovator seines Sports in die Annalen eingehen – aber Sammartino war ein begnadeter Allrounder. Er wusste sich in seinem Stil jedem Herausforderer anzupassen – ein wichtiger Grund für seine langanhaltende, erfolgreiche Karriere.
Dazu gehörte er zur heute selten gewordenen Kategorie von Professional Wrestlern, denen man ihren Ernst abnahm und sie als Charakter respektierte. Alles was Bruno in Promos sagte, klang wahr und überzeugend. Alles was er im Ring tat, unterstützte sein Gimmick.
Abgesehen von den letzten Monaten, in denen er von einer kurzen und schnell ablaufenden Krankheit niedergerungen wurde, hätte ich sogar Bedenken gehabt, ihn im Alter von 82 Jahren im Ring zu konfrontieren. Der Mann war topfit für sein Alter und hatte einen Körper, für den ihn manch 60jähriger beneiden müsste.

Es hat mich sehr gefreut, dass Sammartino in seinen späten Jahren (es gab Zeiten, da lag er mit dem modernen Wrestling ala WWE einfach nur über Kreuz) seinen Frieden mit der Wrestlingwelt des neuen Jahrtausends gemacht hat und in die WWE Hall of Fame aufgenommen wurde. Den größten Anteil daran hatte Triple H, von dem die Initiative ausging.

Mit Bruno Sammartino verliert die Wrestlingwelt einen wahrhaften und respektierten Botschafter des Professional Wrestling.

Greatest Royal Rumble in Saudi Arabien?

50 Mann Battle Royal.
Triple H tritt gegen John Cena an.
Roman Reigns versucht erneute, gegen Brock Lesnar zu bestehen.
Die Damen werden …

Ach ja, die Damen werden gar nichts. Die finden nämlich nicht statt, weil die Scheichs des wahabitischen Islams keine Frauen in einer „männlichen Sportsdomäne“ sehen wollen. WWE fährt trotzdem hin. Ein paar Millionen Euro sind halt doch wichtiger.

Dann zieht mal eure Show dort durch.

Aber ohne mich.

Wrestlemania 34 Rückbetrachtungen 5: Frauenpower?!

Was können wir zu den Vorstellungen der Damenwelt bei Wrestlemania 34 sagen?

Nun, einiges war sehr gelungen (Ronda Rousey), bei anderem bin ich skeptisch (RAW Women Champion Nia Jax) und wieder anderem könnte man etwas enttäuscht sein (Ende der Serie von Asuka).

  1. Ronda Rousey schlägt sich gut

    Das war wahrscheinlich das unterhaltsamste Match der Veranstaltung. Man merkte zwar eine Spur zu deutlich, dass 3 Protagonisten dieses Kampfes nur eine Aufgabe hatten: die Newcomerin „over zu bringen“. Das war vielleicht bis zu einem gewissen Grad nötig, was einige Botches seitens Rouseys zeigten, aber alles in allem eine Spur zu offensichtlich.
    Insgesamt hätte ich auf einen Heelturn Rouseys getippt (mit neuem Manager Paul Heyman), aber man kann nicht alles haben.
    So langsam möchte ich aber auch keinen McMahon mehr im Ring sehen.

  2. Neue Titelträgerin: Nia Jax

    Ich war mit der bisherigen Konstellation sehr zufrieden: Alexa Bliss als mehr oder weniger Chickenshit-Champion und Nia Jax als überwältigende, alles niederwalzende Macht. Das ungeschriebene Wrestlinggesetz lautet zwar: der Titel hilft eher dem schwächeren Wrestler, aber (um es mit Paul Heyman zu fragen): wohin geht man ab da?
    Nia Jax ist so etwas wie die weibliche Ausgabe eines Braun Strowman, aber ohne die unglaubliche Präsenz dieses Mannes. Und auch (leider) ohne die Leistungs- und Lernkurve des Monsters unter Menschen. Ihr Repertoire im Ring ist immer noch so limitiert wie zu ihren ersten Tagen im Main-Roster und ihre Promos haben sich nur unwesentlich verbessert. Ich bin mir nicht sicher, ob der Gürtel + Titel ihr weiterhelfen werden.

  3. „Queen“ Charlotte Flair beendet „Kaiserin“ Asukas Siegesserie

    Königin gegen Kaisern … und die Königin gewinnt. Nur um in der folgenden SmackDown Ausgabe den mühsam (und auf Asukas Kosten) verteidigten Titel an Carmella (immerhin auch royal, weil Prinzessin von Staten Island …) loszuwerden, die blitzschnell schaltete und ihren Money-in-the-Bank Vertrag einlöste.
    Nun haben wir eine entthronte Königin, eine entzauberte Kaiserin und eine kreischige Prinzessin mit Titel. Hm.

Wrestlemania 34 Rückbetrachtungen 4: Shinsuke Nakamuras Heelturn

Also erst einmal: das Match zwischen den beiden Ausnahmekönnern war gut, aber kein 5-Sterne Match, wie bei Wrestlemania zu erwarten gewesen wäre.

Dafür vollzog Shinsuke Nakamura einen zu diesem Zeitpunkt überraschenden Heelturn, indem er AJ Styles nach Matchende einen Low Blow in die phänomenalen Kronjuwelen verpasste.
Kam zwar etwas abrupt und unerwartet, aber ein Heelturn ist der beste Zug, den WWE mit seinem Japan-Star in dieser Situation machen konnte. Den Titel nicht gewonnen und Fehdentechnisch wieder auf dem absteigenden Ast. Mit diesem Turn machen weitere Styles – Nakamura Matches wieder Sinn.

Ich kann mir Nakamura als Heel sehr gut vorstellen und hoffe, dass er dadurch ein paar neue Facetten seiner Persönlichkeit zeigen kann. Auch seine zuweilen eingeschlafene In-Ring-Arbeit dürfte dadurch eine Verjüngungskur erhalten.
Auch wenn das Wrestlemania 34 Match zwischen den Beiden nichts war, was die Hütte abreisst – allein durch den Heelturn Nakamuras gibt es Hoffnung, dass dadurch SmackDown wieder lebendiger wird.