Warum das mit Jason Jordan nicht funzt

Ich gestehe, ich mag Jason Jordans in-Ring-Arbeit mehr als die von vergleichbaren Wrestlern. Ich halte ihn zudem für sehr talentiert und das zusammen mit seine Statur sowie seinem guten Aussehen schreit einfach nur nach Babyface, athletischen Typs. Allerdings gibt es aktuelle eine ganze Reihe von Fallstricken, die man erst beseitigen müsste.

Tag Team Split oder ein Sprung ins kalte Wasser

Im Team mit dem nicht minder begabten Chad Gable war Jordan ein Sympathieträger bei NXT. Nach der Beförderung in den Main Roster konnten American Alpha so gut wie nichts reißen. Das Publikum blieb bei ihren Auftritten eher stumm, was die Höchststrafe für einen Wrestler bedeutet. Nun sind NXT und RAW/SmackDown von der Stimmung und dem Publikum her zwei verschiedene Paar Schuhe (das mussten schon einige Talente erfahren), aber dass ein Tag Team so gar keine Reaktionen hervorruft ist sehr selten. Das lässt sich nicht unbedingt alles mit den unterschiedlichen Strukturen im Main Roster erklären. Vielleicht hätte man Gable/Jordan rebranden und neu aufstellen sollen, aber zumindest in einem Tag Team belassen. Gerade für eher blassere Charaktere ist ein Tag Team eine gute Möglichkeit, von Ausstrahlungsdefiziten abzulenken.

Der Berg kreiste und gebar eine Maus – oder wenn eine Who is your Daddy Storyline verpufft

Da hat man sich aber richtig angestrengt bei WWE und eine Knaller-Storyline für Jason Jordans Single Push ausgetüftelt. Der uneheliche Sohn von RAW General Manager und Hall of Famer Kurt Angle! Und dann verpufft der ganze Schmonzes im Nichts. Noch schlimmer, die Wirkung verkehrt sich ins Gegenteil. Jason Jordan wird mit „Daddys Boy“ Sprechchören empfangen. Die Geschichte ist insgesamt nicht glaubwürdig, auch zudem höchst uninteressant. Das liegt einerseits daran, dass es keinen Skandal darstellte, als Kurt Angle seine Vaterschaft enthüllte und andererseits an der versiegenden Lust der Kreativabteilung von WWE, die Geschichte weiterzuerzählen, voranzutreiben. Eine Vater-Sohn Fehde wegen irgendwas, ein Heelturn von Jordan oder ein kurzfristiges Tag Team auf Zeit von Vater und Sohn. Da gäbe es doch so viele Möglichkeiten, Jordans Charakter weg vom Image des ewig quengelnden Sohnemanns zu entwickeln.

Jason Jordan fehlt Ringpsychologie

Es gibt wohl keinen Wurf oder Haltegriff, den Jason Jordan im Ring nicht hervorholen könnte. Von daher war die Vater-Sohn-Verbindung zu Kurt Angle schon mal richtig, aber bei allen technischen Finessen: Jordan fehlt (noch) die Ringpsychologie. Er schafft es nicht, mittels Wrestling im Ring eine Geschichte zu erzählen und das Publikum in die Sitze zu drücken (ich gebe es zu, im englischen klingt das besser) . Die Aktionen, spektakulär und technisch vom Feinsten, aber Timing und Stimmungen aufnehmen und im Match umsetzen: Fehlanzeige.
ich weiß nicht, ob ihm die Ringpsychologie so völlig abgeht oder ob sie nur entwickelt werden müsste – jedenfalls merkt das Publikum instinktiv, dass da jemand nur sein „Programm abspielt“ – zugegeben auf sehr hohem Niveau. Das ist toll anzuschauen, aber lieber sehe ich einem weniger begabten Techniker zu, der ein Match interessant zu gestalten weiß. Am liebsten sehe ich natürlich einem Ausnahmetalent wie AJ Styles zu, der Beides optimal verbindet.
Jordan muss hier lernen, viel lernen (sonst winkt Apollo Crewes) – es ist daher nicht schlecht, dass man ihm Seth Rollins als „Mentor“ an die Seite gestellt hat. Rollins weiß mittlerweile, welche Knöpfe er beim Publikum drücken muss oder wann er im Match das Tempo anziehen oder drosseln muss. Dass er in seinem aktuellen Charakter noch viel Potential zum Erschließen hat, steht mal auf einem anderen Blatt.

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