WWE Hell in a cell 2019 – Debakel mit Ansage?

Ich möchte hier nicht alle Ergebnisse und Ereignisse von WWE HiaC 2019 durchkauen – nur den Main Event. Universal Champion Seth Rollins gegen Bray Wyatt / The Fiend.

Es geht mir hier auch gar nicht so sehr um den PPV an sich, der mag wie immer Licht und Schatten gehabt haben. Gute Matches, nicht so gute Matches. Längst fällige Titelwechsel oder aber auch Lückenfüller.
Mir ist es aber unverständlich, wie man sich bei dem lange erwarteten Hauptkampf seitens der Promotion so in die Nesseln setzen kann.
In einem vorigen Beitrag habe ich bereits darauf hingewiesen, wo die Probleme bei einem Gimmick wie The Fiend liegen. Vor allem, wenn man so einen Charakter in eine Top Card Fehde einbauen möchte. Bei Hell in a Cell 2019 hat man das sehr gut in Augenschein nehmen können. Bray Wyatt viel zu stark, Nehmerqualitäten wie der Undertaker zu seinen besten Zeiten. Publikumsliebling Seth Rollins fand keine Mittel, um dem Unhold beizukommen. Nach geschätzten 10 Court Stomps und Pedigrees sind seine Finisher bzw. Trademark Moves ruiniert. Nein, mal ehrlich. Stellt euch vor, Brock Lesnar würde zu einem halben Dutzend F5’s ansetzen und keine Wirkung erzielen. Danach bräuchtest Du einen neuen Finisher. Und eine neue Karriere. Um dem ganzen Bockmist dann die Krone aufzusetzen, ließ man die Auseinandersetzung als no-contest Match enden, weil Seth Rollins den guten alten Vorschlaghammer einsetzen wollte. Nachdem er Bray Wyatt erfolglos unter diversem Bühnen-Equipment begraben hatte. Äh, was? Eine (quasi) Disqualifikation in einem Käfig Match? Wegen Zuhilfenahme des Triple H-Gedächtnis-Sledgehammers? Vor 20 Jahren wurde der Bossman vom Undertaker im Käfig „aufgehangen“. Gut, möchte man meinen – das war die Attitude-Ära. Die waren damals einfach crazy drauf. Aber wenn das The Fiend Gimmick nicht Attitude ist, was zur Hölle dann?
Jedenfalls gab Bray Wyatt das Aufstehmännchen und Seth Rollins das immer luschiger werdende Babyface. Inmitten des Matches haben sich die Sympathien doch schon fast umgekehrt wie damals bei The Rock gegen Hulk Hogan. Das kommt halt davon, wenn man sich programmatisch selbst in die Ecke booked. Die Buhs und Mißfallensbekundungen nachdem der Käfig hochgezogen wurde, waren nicht zu überhören. Die Frage ist eben auch, wie verschlossen Vince McMahons Ohren an diesem Abend waren und ob jetzt noch gegengesteuert wird. Ich weiß auch nicht, wie man das noch reparieren kann. Ich weiß nur eins: hier ist richtig was kaputtgegangen. Seth Rollins Reputation und das, was ein auffälliges Gimmick hätte werden können, wenn man es nicht gleich in der erstbesten Großveranstaltung verheizt hätte. Mache ich da Bray Wyatt Vorwürfe oder gebe ihm die Hauptschuld (immerhin heißt es überall, dass er freie Hand hat): nein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sowohl Zeitpunkt als auch Ablauf dieses Kampfes komplett in seiner Regie lagen. Dennoch bekommen er und Seth „Freakin“ Rollins die negativen Publikumsreaktionen ab. Reaktionen, die sie nicht verdienen. Es sind großartige Wrestler, auch wenn ich nicht mit allem einverstanden bin, was sie mir anbieten.

Vermutlich hat das sehr viel mit dem neuen Kooperationspartner Fox zu tun. Fox ist ein ganz anderes Kaliber als die Kandidaten, mit denen es WWE vorher zu tun hatte. Fox ist stramm auf Profit ausgerichtet. Die legen keinen Wert auf Befindlichkeiten innerhalb der Wrestling Szene, haben keine Ahnung vom gezielten Aufbau einer Fehde, wieviel Zeit das kostet und vor allem keine Vorstellung von einem PPV. Heute muss es bei jeder RAW und jeder SmackDown Ausgabe knallen, als sei Wrestlemania. So ein Herumdümpeln und Dahinplätschern bis zur nächsten Großveranstaltung ist da nicht drin. Bei WWE müsste eigentlich das Know How vorhanden sein, aber wer zahlt, befiehlt und dafür strafft man schon mal in vorauseilendem Gehorsam die Handlungsabläufe. Deshalb sehen wir Bray Wyatt jetzt schon in einem Main Event, darf sich Daniel Bryan in gefühlt einer Woche vom Saulus zum Paulus wandeln und die Kabuki Warriors aus dem Nichts die Womens Tag Team Titel holen.

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